29. März 2021

Warum das Phänomen GameStop für unsere Aktienkultur schlecht ist

Börse im Ausnahmezustand

Für einen Broker ist es mit das wichtigste den Handel nahezu immer am Laufen zu halten. Das schafft Vertrauen bei den Anlegern und Händlern und zudem verdient der Broker damit sein Geld. Allein das zeigt, wie sehr die Geschehnisse rund um GameStop, Nokia und weitere in Schieflage geraten sind. Die Aussetzung des Handels einzelner Werte hat viele Anleger verärgert und kostete Broker wie RobinHood, Interaktiv Brokers oder auch der deutschen Trade Republic viel Geld. Dennoch wurde es durchgesetzt, um noch schlimmeres zu verhindern. Eigentlich könnte man die Ereignisse amüsiert beobachten, denn spannend war das allemal, doch es bringt auch etwas Negatives mit sich. Damit meine ich nicht die Zockerei mit Einzeltitel, das sei jedem vergönnt. Ich selbst habe mir in meinen ersten Jahren an der Börse mit Freude immer wieder die Finger verbrannt.

Verrückte Aktienwelt

Möglicherweise hat diese Entwicklung einen negativen Einfluss auf unsere Aktienkultur in Deutschland. Soziale Medien spielen eine immer größere Rolle für Privatanleger. Ein gutes Beispiel war der kurze Tweet von Elon Musk am 07. Januar mit den Worten „Use Signal“. Damit meinte er natürlich den Konkurrenten zu WhatsApp, doch just in dem Moment explodierte die Aktie Signal Advanced, die nur leider gar nichts mit dem Nachrichtendienst Signal zu tun hat. Völlig verrückt.

Unbenannt

Verlauf der „Signal Advance Inc“-Aktie vom 08.02.2020 – 08.02.2021

Ein weiteres Phänomen der sozialen Netzwerke konnte man rund um GameStop beobachten. Diese durch Corona stark belastete Unternehmen war plötzlich in aller Munde und viele riefen dazu auf den „bösen“ Shortsellern und Hedgefonds einen Denkzettel zu verpassen, indem man die Aktie durch Käufe in den Himmel hebt. Tagesschwankungen von über 100% waren die Folge. Auch hier wird es viele Gewinner, aber auch viele Verlierer gegeben haben. Denn zu den Höchstkursen dieser Aktien wurde wild hin und her gehandelt. Das bedeutet, dass man bei einem Einstieg in der Nähe der Hochs in wenigen Tagen über 50% im Minus war. Leider muss man auch sagen, dass die Verlierer eher die Privatanleger waren, die erst recht spät in diese Aktie noch eingestiegen sind. Der Hedgefonds Manager Ryan Cohen zum Beispiel hatte sich schon letztes Jahr mit großen Anteilen in GameStop eingekauft und in der Spitze dann 1.700% mit diesem einem Trade verdient (Link zum Artikel auf Business Insider: https://bit.ly/3cVNw9H ).

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Verlauf der „GameStop“-Aktie vom 09.02.2020 – 09.02.2021

Selbst bei großen Werten wie Nokia gab es kurzzeitig extreme Kursschwankungen von über 100 %. Wollen wir, dass das dies Normalität wird?

Was nach GameStop & Co bleibt

Gerade wir in Deutschland haben eine schwierige Beziehung zur Aktienanlage. Es gibt kaum Länder, die ähnlich wohlhabend sind wie wir und die so wenige Aktionäre hervorbringen wie Deutschland. Diese verrückten Bewegungen an der Börse sind dafür nicht gerade förderlich. Zudem fühlen sich Regulierungsbehörden gezwungen gegen diese großen Schwankungen etwas zu unternehmen. Das Resultat davon ist, dass es für Privatanleger schwieriger wird zu investieren, nicht für Institutionelle.

Es ist für uns alle gut, wenn die Aktienanlage beliebt ist, für alle funktioniert und einen guten Ruf hat. Leider beschränken sich die Auswirkungen dieser wilden Spekulationen nicht nur auf diejenigen, die mit Kapital und Emotionen dabei sind. Es führt auch dazu, dass Unbeteiligte die Nachteile davon zu spüren bekommen. Jemand, der noch zögert sein Geld zum ersten Mal in Aktien anzulegen, wird womöglich eher davon abgeschreckt – obwohl diese Zockerei nichts mit einer langfristigen Geldanlage zu tun hat. Manche soliden Unternehmen werden in Zukunft vielleicht gemieden, um nicht großen Kursschwankungen ausgesetzt zu sein. Pensionskassen werden gewissermaßen gezwungen Aktienquoten zu reduzieren, nur weil die Volatilität (die Schwankungsbreite) nach oben schießt. Von den Leuten, die auf TikTok posten, dass man eine Aktie einfach nur am Tief einkaufen muss und am Hoch verkauft, ganz zu schweigen.

Eine bereinigende Korrektur wäre wünschenswert, in der wir uns darauf besinnen, dass die Wachstumszahlen am Aktienmarkt gerne auch mal von denen in der realen Welt eingeholt werden dürfen.

Ich wünsche Ihnen, dass sie mit gutem Abstand diese Geschehnisse amüsiert beobachten können und weiterhin viel Erfolg haben mit Ihrer langfristigen Geldanlage.

Kategorie

Autor

Felix CrombachFinanzberater

Veröffentlicht am

29. März 2021

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