10. Mai 2021

Wie funktioniert eine Berufsunfähigkeits-Versicherung und worauf solltest du beim Abschluss achten?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine der wichtigsten Versicherungen, die man abschließen sollte und gehört außerdem zu den komplexeren Versicherungen. Mit der BU sichert man sich dagegen ab, aus gesundheitlichen Gründen über einen langen Zeitraum (i.d.R. ab sechs Monaten) nicht mehr arbeiten zu können, also berufsunfähig zu sein. Bei Berufsunfähigkeit wird dann die im Vertrag vereinbarte monatliche Zahlung (= Rente) durch den Versicherer geleistet.

Wovon es abhängt, ob man den Schutz bekommt und worauf bei der Vertragsgestaltung (zumindest auf den ersten Blick) besonders zu achten ist, möchten wir Euch in diesem Artikel genauer erklären.

Wovon hängt es ab, ob man eine BU bekommt?

Die Versicherer prüfen vor Annahme des Antrags den Gesundheitszustand. Hierbei werden hauptsächlich die letzten fünf Jahre abgefragt. Je nach gemachten Angaben kann es zu einer normalen Annahme, zu Leistungsausschlüssen oder zu einer Ablehnung kommen.

Bei einer Normalannahme besteht uneingeschränkter Versicherungsschutz im Rahmen der Bedingungen des Versicherers. Ein Leistungsausschluss bedeutet, dass eine spezielle Ursache für eine Berufsunfähigkeit vom Schutz ausgeschlossen ist. Ein kurzes Beispiel: In den Gesundheitsfragen wurde angegeben, dass die zu versichernde Person sich im letzten Jahr das rechte Kreuzband gerissen hat. Kommt es nun durch die Versicherung zu einem Leistungsausschluss, nennt sich dies „Ausschlussklausel“ und bezieht sich konkret auf das rechte Knie. Im Falle einer Berufsunfähigkeit aufgrund des rechten Knies besteht dann kein Leistungsanspruch. Je nach Berufsbild kann dies dann mehr oder weniger problematisch sein. Bei einer Ablehnung kommt überhaupt kein Vertrag zustande.
Bei einem Risikozuschlag verlangt der Versicherer einen höheren Beitrag, weil deine Vorerkrankungen auf ein erhöhtes Risiko schließen lassen, dass der Versicherer durch den Mehrbeitrag absichern möchte. Wichtig ist es in jedem Fall, mehrere Versicherer anzufragen, da sich die Einschätzungen zu gleichen Vorerkrankungen häufig unterscheiden.
Warum du Versicherer vorher anfragen solltest und warum du bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen nicht lügen oder beschönigen solltest, findest du im nächsten Artikeln. Aber jetzt zur Vertragsgestaltung und den Leistungsbausteinen, auf die man achten sollte.

Die Vertragsgestaltung – Was ist wichtig?

1.) Die Rentenhöhe

Wie hoch die monatliche Rente sein sollte, die bei Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird, ist immer individuell zu ermitteln. Im Idealfall deckt die Rente aus der BU das gesamte Nettoeinkommen zuzüglich Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung ab und es entsteht keine Lücke im Einkommen durch eine Berufsunfähigkeit. Die maximal versicherbare Rente ist i.d.R. jedoch auf 80% des Netto- oder 60% des Bruttoeinkommens beschränkt, bei manchen Versicherern ist es bis zu gewissen Einkommensgrenzen höher. Ebenfalls bei der Wahl der Rentenhöhe zu beachten sind die eigenen Ausgaben. Einen Sonderfall stellen hier Studierende dar. Während des Studiums kann bei einigen Versicherern aufgrund eins vergleichsweise hohen zu erwartenden Einkommens sogar 1.500 € – 2.000 € monatliche Rente abgesichert werden. Grundsätzlich gilt zur Rentenhöhe: je höher desto besser, da von deiner BU-Rente voraussichtlich noch Steuern (geringfügig) sowie Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden (in voller Höhe ca. 19%).
Um das vor Augen zu führen: 2.000 € BU Rente sind nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 380 € (19 %) nur noch 1.620 € BU-Rente.
Übrigens: Je jünger du bei Abschluss deiner BU bist, desto weniger Beitrag zahlst du. Mehr dazu findest du hier (Artikel: Wann BU abschließen).
Solltest du eine BU-Rente unter 1.000 € abgeschlossen haben, sollten deine Alarmglocken klingen.

2.) Die Laufzeit/das Endalter

Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt aktuell bei 67. Idealerweise wird im Falle einer Berufsunfähigkeit bis zu diesem Punkt die BU-Rente gezahlt, um keine Lücke mit dem eigenen Vermögen kompensieren zu müssen. Heißt: Je geringer deine Laufzeit, desto höher muss deine monatliche Altersvorsorge neben meiner BU sein, um die Jahre bis zum Renteneintrittsalter durch eigene Vorsorge zu kompensieren. Zu kompliziert? Hier in Zahlen: Wenn deine Berufsunfähigkeit dir deine versicherte Rente in ausreichender Höhe zahlt, kannst du weiterhin für das Alter vorsorgen. Das ist wichtig, da du mit Ausscheiden aus dem Beruf (bei BU) nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst.
Gehen wir nun davon aus, dass du zusätzlich ca. 740 € zusätzliche monatliche Rente als Rentner/in brauchst, um deine Rentenlücke zu schließen. Deine Altersvorsorge erwirtschaftet durchschnittlich 5,5 % Rendite im Jahr.
Nun wirst du im Alter von 32 durch eine schwere Erkrankung berufsunfähig und erhältst deine BU-Rente. Nun hast du verstanden, dass du weiterhin deine private Altersvorsorge zahlen musst, da du sonst im Rentenalter aufgrund niedriger gesetzlicher Rente das böse Erwachen hast.

Variante 1: Deine BU leistet bis Endalter 67 – also noch weitere 35 Jahre. Um deine Wunschrente von 740  mtl. zu erreichen, müsstest du 242  monatlich zur Seite legen, um dein Ziel zu erreichen, was du aufgrund der gut abgesicherten Höhe auch kannst. Du brauchst dir keinen Sorgen machen.

Variante 2: Deine BU leistet bis Endalter 62 – also noch weitere 30 Jahre, weil du weniger zahlen wolltest. Das rächt sich nun: Um deine Wunschrente von 740  mtl. zu erreichen, müsstest du jetzt 335  monatlich zur Seite legen, um dein Ziel zu erreichen. Das sind 111 € monatlich mehr! Je nach Höhe der abgesicherten BU-Rente ist das gar nicht mal so wenig, wenn dann noch Steuern und Sozialversicherungen abgezogen werden. Daher sollte deine BU im optimalen Fall bis zum Endalter 67 leisten.

3.) Die Dynamik

Eine Dynamik passt in festgelegten Zeitabständen sowohl den zu zahlenden Beitrag und die Rentenhöhe der Versicherung um einen bestimmten Prozentsatz an. Man unterscheidet zwischen Beitrags- und Leistungsdynamik.

Zum einfacheren Verständnis hier ein kurzes Beispiel: Im ersten Jahr kostet meine Versicherung 30 € im Monat und ich habe 1.000 € monatliche Rente versichert.
Durch eine Beitragsdynamik von 3% steigt der Beitrag im zweiten Jahr auf 30,90 € mtl. und die versicherte Rente auf 1.030 € pro Monat. Die Beitragsdynamik ist vor allem sinnvoll, um einen laufenden Inflationsschutz zu haben und ein steigendes Einkommen abzusichern. Sie sorgt auch dafür, dass ich meine BU über die von der Versicherung bei Abschluss festgesetzte Grenze von 60 % vom Brutto bzw. 80 % vom Netto heben kann. Der große Vorteil: Bei einer Erhöhung durch Dynamik fällt keine erneute Gesundheitsprüfung an.
Die Leistungsdynamik greift erst im Falle der Berufsunfähigkeit. Durch sie wird die durch den Versicherer gezahlte Rente jährlich um einen festgelegten Prozentsatz erhöht. Beiträge werden bei Leistung nicht mehr fällig. Optimalerweise beträgt die Leistungsdynamik 2 %, mindestens jedoch 1 %.
Sie sorgt dafür, dass dein Lebensstandard auch nach Inflation derselbe bleibt und eventuelle Gehaltssteigerungen indirekt abbildet.
Beide Dynamiken sollten Teil deiner BU sein. Solltest du nur eine dieser Dynamiken oder keine in deiner BU haben, solltest du deinen BU-Schutz nochmal prüfen lassen.

4.) Keine abstrakte Verweisung

Das Wichtigste zuerst: Die abstrakte Verweisung sollte auf keinen Fall Bestandteil eines BU-Vertrags sein. Diese erlaubt es nämlich dem Versicherer im Falle der Berufsunfähigkeit auf eine andere Tätigkeit zu verweisen, die du mit deinem Gesundheitszustand ausüben kannst. Das heißt, dass keine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt werden muss, solange du in der Lage bist, irgendeine andere Tätigkeit beruflich auszuüben. Die muss allerdings weder etwas mit deinen Fähigkeiten, deiner Ausbildung, deiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit zu tun haben, noch muss das Einkommen auf einem ähnlichen Niveau sein. Dadurch würde deine BU nur in den seltensten Fällen tatsächlich leisten. Deswegen ist es extrem wichtig, dass der Versicherer ausdrücklich auf eine abstrakte Verweisung verzichtet.

5.) Nachversicherungsgarantien

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die sogenannte Nachversicherungsgarantie. Sie gibt dir das Versprechen, dass du entweder ereignisunabhängig oder zu bestimmten Ereignissen (Gehaltserhöhung, Abschluss Studium/ Ausbildung, Immobilienerwerb, Geburt eines Kindes, etc.) deine BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen kannst. Hier hat jeder Versicherer andere Bedingungen. Wir empfehlen sowohl eine ereignisunabhängige als auch eine anlassbezogene Nachversicherungsgarantie, mit der du mindestens um 50 %, optimalerweise um bis zu 100 % deine BU-Rente erhöhen kannst. Manche Versicherer haben sogar Karriereklauseln, die für dich interessant sind, wenn du z.B. einen Studiengang studierst, der langfristig hohe Gehaltaussichten hat. Der ein oder andere Versicherer bietet hier sogar BU-Renten bis 6.000 € an. Achte also auf die Nachversicherungsgarantief.

6.) Prognosezeitraum und BU-Grad

Diese Vertragsbestandteile verraten dir viel über die Qualität deiner BU.
Vereinfacht: Sie sagen dir, ab wann und unter welcher Kondition du deine BU-Leistung erhältst.
Der Prognosezeitraum drückt aus, ab wann du Anspruch auf deine BU hast. Wenn dein Arzt dich berufsunfähig bzw. krank schreibt, vermerkt er in der Regel wie lange. Einen Monat, drei Monate, 2 Jahre – das hängt natürlich von der Art deiner Erkrankung ab. Eventuell wirst du auch mehrfach hintereinander mehrere Monate krankgeschrieben bzw. für berufsunfähig erklärt. Genau dann ist es wichtig, wie der Prognosezeitraum in deiner BU definiert ist. Ein guter Vertrag sollte (auch bei Beamten) einen Prognosezeitraum von 6 Monaten haben. Sollte der Arzt dich 6 Monate berufsunfähig schreiben bzw. du bereits seit 6 Monaten zusammengenommen berufsunfähig sein, so hast du den ersten Baustein für den Anspruch auf deine BU-Rente (auch rückwirkend ab dem 1. Tag der Berufsunfähigkeit) erreicht.
Der zweite Baustein ist der BU-Grad. Dieser drückt aus, wie viel Prozent deines Berufes du unter normalen Bedingungen nicht mehr ausüben kannst, um Anspruch auf deine BU-Leistung zu haben.
In guten Verträgen ist das der Fall, wenn du deinen Beruf zu 50 % oder mehr nicht mehr ausüben kannst. Wenn du z.B. 40 Stunden die Woche arbeitest, aber aufgrund eines Burnouts nur 10 Stunden arbeiten kannst, bist du zu 75 % berufsunfähig.
Du solltest also darauf achten, dass dein Vertrag einen Prognosezeitraum von 6 Monaten hat (kumuliert oder prognostiziert) und ab einem Grad von 50 % leistet. Beamte sollten noch zusätzlich eine Dienstunfähigkeitsklausel (DU) vereinbart haben
Vorsicht vor BUs mit einer 25/75 % Regelungen. Die sorgen meist dafür, dass gerade bei psychischen Erkrankungen (Depression, Burnout etc.) keine Leistung erhältst, weil dies genau die Erkrankungen sind, die sich am Rande der 50 % Berufsunfähigkeit bewegen.

Dies sind sechs der wichtigsten Eckpunkte eines BU-Vertrags. Es gibt natürlich noch viele weitere wichtige Punkte, auf die es zu achten gilt. Worauf wir u.a. noch bei der Vermittlung von BU-Verträge achten, findest du in der folgenden Aufzählung und gibt dir Aufschluss darüber, warum es durchaus sinnvoll ist, das Thema in die Hand eines Experten zu legen.

Weitere wichtige Faktoren, die wir bei einer BU-Versicherung beachten:

  • Stabilität des Versicherers
  • Finanzstärke des Versicherers
  • Leistungsquoten des Versicherers
  • Annahmekriterien des Versicherers
  • Keine Karenzzeit (mit Ausnahmen)
  • Anspruch auf Beratung im Leistungsfall
  • Verzicht auf Leistungseinschränkung bei grober Fahrlässigkeit
  • Gute Definition Lebensstellung
  • Zuletzt ausgeübter Beruf ist versichert
  • Leistung auch bei Pflegebedürftigkeit
  • Auszahlung einer Wiedereingliederungshilfe bei Wiedereinstieg in den Beruf
  • Kundenorientierte Reglungen im Bereich Umorganisation

Wir haben noch einige Kennzahlen und Leistungen mehr, die wir prüfen. Das Thema Berufsunfähigkeit und eine hochwertige BU-Absicherung sind enorm wichtig, weshalb wir hier auch einen erhöhten Aufwand in diesem Bereich betreiben. Dazu gehört auch unsere BU-Leistungsservice. Was das genau ist, und warum du dadurch einen enormen Vorteil erhältst, erklären wir in einem neuen Artikel.

Gerne beraten wir dich ausführlich zum Thema BU oder schicken dir auf Wunsch ein Angebot. Für weitere Beiträge zum Thema schaue regelmäßig in unserem Ratgeber vorbei.

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Autor

Philipp GrammlichFinanzberater

Veröffentlicht am

10. Mai 2021

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